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29.03.2017, Alex Brückner

„Lasst uns digitalen Unternehmergeist vermitteln!”

Was passiert, wenn digitale Bildung weiterhin ein Privileg von Eliten bleibt? „Dann ist unsere Demokratie gefährdet”, antworten Christina und Tobias Burkhardt. Gemeinsam haben sie mit ihrer SHIFTSCHOOL Deutschlands erste Akademie für Digitalen Wandel gegründet – ihre Lösung: Wir alle sollten das Lernen neu lernen.

Tobias, was hat Dich zuletzt an der digitalen Welt fasziniert?
Am Interessantesten finde ich momentan, wie Amazon den Einzelhandel neu erfindet. Und wie das auf die meisten wirkt – erst zerstören sie den Buchhandel, um ihn dann selbst wiederzubeleben? Das sehe ich anders. Amazon denkt das Thema „Einkaufen in der Fußgängerzone” neu – basierend auf Daten aus dem Onlinehandel: Im Laden stehen nur Bücher, die eine Mindestbewertung von 4,6 Sternen haben. Und darunter veröffentlicht Amazon Rezensionen anderer Leser. Das ist innovativ, aber bedroht auch den Beruf des Buchhandel-Mitarbeiters. Seine Empfehlung könnte so bald überflüssig werden.

Wie können sich Menschen auf diesen Wandel vorbereiten?
Das ist wie im Fitness-Studio. Um fit zu bleiben, muss ich ständig dran bleiben. Wer sich ausruht, baut Muskeln ab. Im digitalen Zeitalter geht es darum, ständig neue Fähigkeiten zu erlernen und obsolete abzuschütteln oder zu erweitern. Es geht also nicht nur ums Fitwerden, sondern ums Fitbleiben.

Also schnell in den nächsten Crashkurs für digitale Skills?
Das bringt gar nichts. Mut und Kreativität sind viel wichtiger als einzelne Skills – diese könnten morgen ja schon wieder out sein. Die Halbwertszeit von Wissen wird weiter dramatisch abnehmen, deshalb müssen wir das Lernen lernen. Da reichen zwei Tage Design-Thinking-Kurs nicht aus. Im Gegenteil. Unter Umständen ist dieser sogar gefährlich, weil er die Leute verwirrt oder frustriert zurücklässt, wenn sie danach an ihren Schreibtisch zurückkehren – und dort so gearbeitet wird wie immer. Ein Jojo-Effekt der Innovation.

Deine Meinung zu dieser These: Die Digitale Transformation beschleunigt die Ungleichheit innerhalb unserer Gesellschaft.
Falsch. Es ist nicht die Transformation, sondern die Technologie, die die Ungleichheit beschleunigt. Genauer: das Wissen um den Umgang damit. Siehe Amazon: Die Automatisierung kostet sicher geglaubte Arbeitsplätze – vor allem für die Leute, die das Lernen verlernt haben. Und niemand kann sagen, wie viele neue Jobs entstehen.

Und auf der anderen Seite …
... gibt es die, die gelernt haben, sich sehr schnell neues Wissen anzueignen und sich diese neuen Technologien zu Nutze zu machen. Die haben es beispielsweise verstanden, sich auf bestehende Geschäftsmodelle mit einer Plattform oben drauf zu setzen – siehe Taxibranche und Uber. Die Digitale Transformation beschreibt also einen Anpassungsprozess, die Notwendigkeit der alten Welt, sich an das Neue anzupassen. Startups müssen sich nicht transformieren, sie denken von Stunde Null an digital.

Stephen Hawking schrieb jüngst von den Gefahren des Internets für die Menschheit. Das Netz führte jedem ständig vor Augen, wie ungerecht die Reichtümer dieser Welt verteilt werden. Warum übertreibt er?
Er übertreibt nicht. Selbst in der digitalen Szene Kaliforniens, also den maßgeblichen Verursachern der „Software-eats-Jobs”-Problematik, gibt es mahnende Stimmen – darunter Pioniere wie Bill Gates oder Elon Musk. Interessanterweise zeigt auch die Unterstützung des Sozialisten Bernie Sanders im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, dass sich die Tech-Elite sehr wohl Gedanken macht, was ihre disruptiven Ideen gesellschaftlich bewirken. Ich denke: Wir sollten nicht blindlings ins digitale Messer laufen und uns schleunigst Gedanken machen, wie wir diesen Konflikt lösen. Unsere Gesellschaft, allen voran unsere politischen Eliten, haben aber keinen Schimmer, wie sie dem begegnen sollen.

Du plädierst also für digitale Abstinenz?
Nein. Sich rauszuhalten ist keine Alternative. Nur wenn ich weiß, was da passiert und ich ein Teil davon bin, kann ich mitgestalten und bewusst entscheiden, was ich tue und was nicht. Dem Rest der Welt ist es egal, ob wir uns in Deutschland schlafend stellen oder nicht.

Forscher sprechen schon seit den späten Neunzigern von einem „Digital Divide“, einem digitalen Graben innerhalb von Gesellschaften. Warum sollten wir diesen schließen?
Weil wir sonst ein Problem mit unseren Demokratien bekommen. Gerade hier in unseren elitären Blasen sollten wir aufhören, Entwicklungen wie Brexit oder Trump als unabhängige Phänomene zu betrachten. Wie reagiert denn der 50-jährige Filialleiter, wenn er feststellt, dass er aufgrund seiner Spezialisierung und seiner 30 Jahre alten Ausbildung keinen Job mehr findet? Dieses Thema kann auch hier im verwöhnten Deutschland die Mitte erreichen. In Großbritannien und den USA erlebten wir bereits zwei Beispiele, die dieses Problem illustrieren: hier das Lager der Digitalisierungs-Gewinner – dort die Verlierer aus den strukturschwachen Regionen. Und beide Gruppen sind interessanterweise in etwa gleich groß.

Und in Deutschland ...
… sind wir nicht mehr weit weg davon. Auch wenn uns unser bildungsbürgerliches Über-Ich weiterhin einflüstert: „Bei uns kann das ja nicht passieren." Genau diese überhebliche Haltung von uns Zukunftsprofiteuren macht diejenigen stark, die sich eine Welt zurückwünschen, die es nicht mehr geben wird.

Ein Blick in die Geschichte zeigt doch, dass jede industrielle Revolution langfristig stets mehr Wohlstand brachte.
Aber auch, dass der Start durchaus schwierig war. Ähnliche, Fortschritt verweigernde Tendenzen sehen wir jetzt wieder. Ich habe keine Sorge, dass wir langfristig eine gute Entwicklung nehmen können – und durch die rasante technologische Entwicklung viele Menschheitsprobleme lösen werden. Was mir Sorgen bereitet: Dass wir in den nächsten 20 Jahren vieles aufs Spiel setzen, wenn es uns nicht gelingt, diesen Graben zu schließen.

Christina, wie kann Digitalbildung dazu beitragen, diesen gesellschaftlichen Graben zu verkleinern?
Zunächst darf man Digitalbildung nicht mit Technologie verwechseln, sondern sie hat mindestens genauso viel mit Kreativität und Mut zu tun. Genau das müssen wir vermitteln – digitalen Unternehmergeist. Und zwar von klein auf. Das Erlernen einer Programmiersprache ist dabei nur ein erster Schritt. Das alles muss dringend in die Schulen – und in die Erwachsenenbildung. Dadurch gewinnen alle Sicherheit, haben weniger Angst und mehr Chancen. Was wir zudem brauchen: eine Vision, einen digitalen Ruck, an dem wir uns alle orientieren können. Politik muss da endlich voran marschieren, indem sie die Rahmenbedingungen dafür schafft und gleichzeitig aber auch eine klare digitale Strategie vorgibt. Beides fehlt momentan völlig. Und das ist die Katastrophe.

Der Turbo-Takt an Innovationen wird in Zukunft noch schneller trommeln. Der Lebensverlauf Schule – Arbeit – Rente scheint daher dringend reformierbar. Was sind Deine Ideen für lebenslanges Lernen?
Lebenslanges Lernen – ich mag diesen Begriff nicht so gern. Nicht, weil er falsch ist. Sondern, weil er so abgegriffen ist. Viel besser finde ich, wenn wir Lernen nicht mehr als Notwendigkeit oder notwendiges Übel betrachten, sondern als Selbstverständlichkeit, als das Fundament unserer Existenz, das zwar manchmal schmerzhaft sein kann und viel Energie erfordert, aber langfristig a) viel bringt und b) auch viel Freude und Sinn stiftet. Für Kinder ist das so: Sie lieben das Lernen bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihnen irgendjemand sagt, dass Lernen eine Qual ist. Ich sehe das gerade bei meinen Töchtern, die jetzt in die 5. Klasse aufs Gymnasium gekommen sind – und sich wieder in die Grundschule zurück sehnen, weil sie diese Art des spielerischeren Lernens zurückwollen.

Stichwort „Spielerisches Lernen” – welche Art neuer Didaktik benötigen wir in Zukunft?
Das Geschäftsmodell klassischer Bildung funktioniert so nicht mehr. Die Zeiten, an denen ich an einen Ort gehen musste, um Wissen zu erlangen, sind einfach vorbei – und Schule sowie Universität haben das Informationsmonopol verloren. Für den reinen Wissenstransfer von Lehrer zu Schüler brauche ich heute in keine Schule mehr zu gehen, weil alle Lehrinhalte für wenig Geld oder gar kostenlos im Netz verfügbar sind. Aber wir lernen eben nicht nur durch Bücher und Online-Vorlesungen, sondern vor allem durch Inspiration großartiger, begeisternder Lehrer, das direkte Ausprobieren des Neu-Erlernten in einem gesicherten Umfeld und durch das Abstrahieren dieses Wissens im täglichen Umgang. Und genau hier liegt die Chance der Schule der Zukunft. Weil Lernen soziales Erleben braucht. Und das geht nun mal nicht am Monitor.

Bei was werdet Ihr selbst als nächstes wieder Schüler sein?
In unserer Akademie sind wir auch immer Schüler. Als Unternehmer sowieso. Wir lernen momentan jeden Tag so unglaublich viel von unseren Teams, unseren Trainern und in den Unternehmen, die wir beraten. Das ist oft nicht nur angenehm, sondern kann auch sehr schmerzhaft und anstrengend sein – aber es beantwortet unsere Sinnfrage. Wenn wir sehen, dass wir etwas bewirken – dann macht uns das sehr glücklich.

Über die Interviewten: Christina und Tobias Burkhardt

Christina und Tobias Burkhardt

Gründer | Shiftschool

Tobias ist ein Visionär, Querdenker und leidenschaftlicher Lehrer. Christina beschreibt sich selbst als optimistisch, authentisch und mit ausgeprägter "hands-on"-Mentalität.

Website: www.shiftschool.de

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Kommentare

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