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19.02.2016, Nadine Karrasch

„Kann dich jetzt also die NSA überall aufspüren?“

ist die häufigste Frage, die mir in den letzten Monaten gestellt wurde. Knapp gefolgt von „Aber macht das am Flughafen nicht Probleme?“ Und warum das alles?

Weil ich mir während einer Pressekonferenz auf der IFA im September einen NFC-Chip in die Hand implantieren habe lassen. Und damit zum Cyborg mutiert bin. Zumindest denken das viele Menschen um mich herum. Die Wahrheit ist freilich banaler. NFC – Near Field Communications – ist nun keine neue Technologie mehr.

Es ist in vielen kontaktlosen Lösungen verbaut – ob in Hotelschlüsselkarten, Kreditkarten oder Einlasssystemen in Büros und Fitnessstudios. Viele Mobiltelefone haben heute NFC eingebaut.

Der nutzlose Teil der Hand.

Ich habe mir im Rahmen eines Forschungsprojekts meines Arbeitgebers Kaspersky Lab, einen NFC Chip mit 880 Bytes Speicher in meine linke Hand implantieren lassen. Er befindet sich jetzt also im nutzlosen Teil der Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger – und tut erst mal gar nichts. Denn der Chip ist passiv.

Und damit ist auch die Eingangsfrage schon geklärt: nein, Geheimdienste können mich nicht aufspüren. Denn solange ich mich nicht in ein starkes Magnetfeld begebe, tut der Chip: nichts. Halte ich meine Hand freilich an einen NFC-Leser, wird er aktiv. Viele Android-Handys haben solche Leser eingebaut – und hält jemand so ein Telefon an meine Hand, wird automatisch meine digitale Visitenkarte geladen. Ein solcher Leser befindet sich auch am Eingang zu unserem Moskauer Büro. Ich kann also meine Zugangskarte nie mehr vergessen, da sie unter meiner Haut sitzt. Einfach die Hand an den Leser halten und ich bin drin.

Werden Mensch und Maschine eins?

Nicht jeder findet das allerdings gut. In den letzten Monaten war ich viel unterwegs, um über die Implantationstechnologie zu sprechen. Völliges Unverständnis schlug mir zum Beispiel in Indien entgegen. Aber auch hierzulande ist die Skepsis ob der „Verschmelzung von Mensch und Technologie“ relativ groß. Dabei ist das eigentlich zu hoch gehängt. Denn nur, weil ein Chip unter meiner Haut liegt, bin ich noch lange nicht mit der Technologie verschmolzen. Will ich sie nicht mehr, ist der Chip auch ganz schnell entfernt. Man kann sich das vorstellen, wie das Entfernen eines großen Holzsplitters unter der Haut. Nicht übermäßig angenehm, aber auch kein enormer Aufwand.

Warum das alles?

Trotzdem bleibt die Frage im Raum stehen, warum man sich einen Chip unter die Haut implantieren lassen sollte.

Identifizieren Sie sich.

Ein Vorteil ist naheliegend: Der Chip ist fest mit dem Körper verbunden. Vergessliche Menschen wie ich können ihn also nirgends liegen lassen. Die Verbindung mit dem Körper hat außerdem natürlich Sicherheitsvorteile. Ein implantierter Chip kann eindeutig einer Person zugeordnet werden und damit ist er gut für Identifizierungszwecke geeignet.

Stellen Sie sich vor, um Geld abzuheben, geben Sie erst Ihren PIN ein und weisen sich dann als zusätzliche Instanz mit ihrem implantierten Chip aus – fraglos eine sinnvolle Erweiterung der Sicherheitsvorkehrungen.

Bargeld und Schusswaffen mit NFC. 

Es gibt einige interessante Ideen. Beispielsweise könnte man Schusswaffen mit NFC-Lesern ausstatten, die ein Auslösen der Waffe nur erlauben, wenn in der Hand der richtige Chip implantiert ist.

Natürlich ist mit der Technologie auch kontaktloses Bezahlen möglich. Wir versuchen seit einiger Zeit Banken zu überzeugen, unsere Chips zu registrieren. Mit einer Handbewegung zahlen. Ich wäre auf die Gesichter der Verkäufer gespannt, wenn ich meine Hand an das Zahlterminal halte.

Doch: neue Technologien haben Schattenseiten. NFC ist keine sonderlich sichere Technologie. Wer mit einem NFC-Leser an meine Hand kommt, kann die Daten auslesen – diese sind unverschlüsselt auf dem Chip hinterlegt.

880 Bytes Speicherplatz.

Allerdings sind 880 Bytes Speicherplatz viel zu wenig, um ernsthaft Daten zu speichern. Eine leere Word-Datei ist größer. Und zudem ist die Reichweite sehr beschränkt, also muss man den Leser physisch berühren. Das schränkt die Möglichkeiten ein, sensitive Daten aus dem Chip zu stehlen.

Ihre Krankenversicherung freut sich.

Aber denken wir wenige Jahre weiter. Gehen wir davon aus, die Technologie entwickelt sich weiter und wird – theoretisch – von einer Krankenversicherung entdeckt. Diese bietet ihren Kunden günstigere Tarife an, wenn sie sich bereit erklären, einen Chip zu implantieren, der ihre Biodaten aufzeichnet, die dann einmal im Quartal ausgelesen werden. Sollten diese Daten unverschlüsselt und ungeschützt auf dem Chip liegen? Unglücklicherweise gibt es bislang keine Lösung, Daten auf den Chips zu verschlüsseln. Dafür benötigt man einen Prozessor und Stromversorgung. Zukunftsmusik.

Sicherheit von Beginn implantieren.

Heute gibt es weltweit wohl eine niedrige fünfstellige Zahl an Menschen mit Chip-Implantaten. Diese sind relativ engagiert dabei Anwendungsfälle zu entwickeln und die Technologie weiterzuentwickeln. Doch die Technologie steht noch am Anfang und die Community scheint daran interessiert, externen Rat anzunehmen. Also untersuchen wir derzeit Sicherheitsaspekte der Technologie und unterstützen die Community mit Rat und Tat.

 

Über den Autor: Rainer Bock wurde in Nürnberg geboren und wuchs im Nürnberger Land auf. Er arbeitet heute in London für den IT-Sicherheitsanbieter Kaspersky Lab. 

Kontakt: cybock(at)rainerbock.de 

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