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22.01.2018, Anna Neubauer

Alternative Facts, alternative Fakten ... was für ein Wahnsinn!

Das Leben in einer Gemeinschaft, Gesellschaft, erfordert permanente Aushandlungsprozesse, und ja klar, auch Streit. Und es erfordert das grundsätzliche Bekenntnis zum Willen zum Kompromiss. Jeder Kompromiss ist anstrengend und nie völlig befriedigend, aber das ist das Wesen einer Gesellschaft, die um Ausgleich bemüht ist. Die Alternative ist das einseitige Zuteilen von Deutungshoheit auf einen Teil einer Gemeinschaft. Dieser Teil entscheidet dann, was richtig oder falsch ist, was wahr oder unwahr ist. Das ist für fast alle einer solchen Gemeinschaft bequemer, da keiner mehr an Aushandlung beteiligt sein muss, weder der, der die Entscheidungen trifft, er ist frei vom Druck des Kompromissfindens, da er frei entscheiden kann, noch der, über den entschieden wird, denn er darf nicht an der Entscheidungsfindung teilnehmen. Das ist das Grundprinzip von Diktatur, und dabei spielt es keine Rolle, wie groß der Anteil der Gesellschaft ist, der Entscheidungsgewalt hat. Es gibt auch die Diktatur der Mehrheit. Es geht allein um die An- oder eben Abwesenheit von Aushandlungsprozessen.

Aber hier geht es ja um Fakten, um Dinge, die eigentlich keinen Aushandlungsprozessen unterworfen sein können. Fakten liegen grundsätzlichere Übereinkünfte zugrunde. Ich traue mir keine wirkliche philosophische Debatte zu, aber eine Gruppe von Menschen verständigt sich auf gewisse Grundlagen, die z.B. sinnvolle Kommunikation ermöglichen. Es bringt nicht viel, wenn rechts für den einen rechts, für den anderen links ist.

Also kann man sagen, wenn ich nach Norden schaue, dann liegt Polen geografisch gesehen rechts von Deutschland. Ein weiterer Fakt wäre, dass Polen östlich von Deutschland liegt, wenn wir uns darauf geeinigt haben, dass Norden in der Nähe von Kanada, und Süden in der Nähe von Neuseeland ist. Ähnlich ist es mit Mengenverhältnissen: 1000 Äpfel sind mehr als zwei Äpfel. Es ließen sich viele Beispiele finden, auch komplexere, z.B. naturwissenschaftliche Fakten.

Was passiert nun, wenn jemand diesen grundsätzlichen Kanon aufkündigt, und alternative Fakten präsentiert?  

Mein weißes Hemd ist deutlich dunkler als dein blaues.
Oder:
Mein Auto, das durchschnittlich 20 Liter Kraftstoff pro 100 km Strecke verbraucht, ist sparsamer, als deines, das im Durchschnitt für dieselbe Strecke zehn Liter verbraucht.

Chaos - zumindest kommunikatives Chaos. Es wird absurd, wenn auch verlockend für den Moment, da man ohne viel Aufwand für sich beanspruchen kann Recht zu haben. Ich weiß es zwar eigentlich nicht genau, da ich nicht über ausreichend Fakten über die Zusammenhänge in der Welt verfüge, aber das macht nichts. Ich habe eben alternative Fakten, die allein dadurch Bestand haben, dass ich sie von mir gebe! Ich will halt auch mal Recht haben, das ist doch verständlich. Klar, ist ja auch bequemer als Lernen… oder Verstehen… oder Aushandeln…

Und jetzt betritt zu Beginn letzten Jahres ein Mann die Weltbühne und verkündet es quasi ganz offiziell, dass er ab sofort bei gewissen Dingen, die ihm nicht passen, oder die kompliziert sind, oder anstrengend alternative Fakten zur Grundlage seines Handelns machen wird. Das ist die einseitige Beanspruchung von Deutungshoheit, das ist ein Putsch der Unvernunft, das ist ein zutiefst beunruhigendes, diktatorisches Verhalten.

Ich musste zuerst nur Lachen. Und dann entschloss ich mich zu dieser kleinen Serie von Aquarellen. Es erschien mir spontan als angemessene Reaktion, mit aller künstlerischen Hingabe, kleine Zeichnungen in diesen Wahnsinn zu entlassen. 

Die kleine Serie „Alternative Facts“ ist weniger als künstlerische Arbeit zu verstehen; vielmehr ist sie ein spontaner und aktueller Kommentar zur politischen Situation in den USA vom Januar 2017. 

6 Zeichnungen 2017 42,2 cm x 29,7 cm (H x B) Aquarell auf Papier © Daniel Rode
VG BILDKUNST Repros: Krull Fotodesign Dresden

Über den Künstler: Daniel Rode

Daniel Rode

Daniel Rode, Jahrgang 1971, hat Kunstpädagogik und Erziehungswissenschaften an der Universität Greifswald studiert. Es schloss sich eine Tätigkeit als künstlerischer Mitarbeiter, ebenfalls an der Universität Greifswald, an. Danach ging er nach Dresden, um an der Hochschule für Bildende Künste zu studieren (Diplom, Meisterschüler, Klasse Brandmeier). Nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Kairo, lebt er seit 2014 wieder in Dresden.

Website: danielrode.de

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